5 Fragen an Mathis Nitschke

Wie und wann ist die Idee zu „Maya“ entstanden?

Der Architekt Peter Haimerl machte mich 2015 auf sein damals noch aktuelles Vorhaben aufmerksam, aus der Ruine des Heizkraftwerks Aubing einen Konzertsaal zu machen. Da ich eine große Liebe für Ruinen habe, stieg ich gleich dort ein und war überwältigt von der Dimension und Aura dieser Halle. Die darin verbliebenen Öfen aus der Nazizeit, die Fensterfronten, die mich an die Fassadentrümmer von 9/11 erinnerten, das bajuwarische Reihengräberfeld nebenan, die Bäume draußen, die ihre Blätter verloren haben, all diese Eindrücke ließen schnell den Wunsch in mir aufkommen, genau da ein Stück Musiktheater über das Sterben zu machen.

Welche Bedeutung hat das Projekt für Dich persönlich?

Ich beobachte mit Sorge, mit welcher Konsequenz unser heutiges Leben durchoptimiert wird. Es gibt bald keinen nicht durchfunktionalisierten Quadratmeter mehr. Ruinen sind das Gegenteil davon, Orte voller Potential. Die Phantasie schweift vom Sinnieren darüber, wie es wohl mal gewesen sein könnte, zu einem Phantasieren darüber, was hier zukünftig möglich sein wird. Ist die Ruine erst einmal saniert, ist dieser offene Ort unendlicher phantastischer Möglichkeiten wieder geschlossen. Die Freiheit, die so ein Ort auch mir als Künstler bietet, wollte ich unbedingt vorher noch mal erleben.

Welche künstlerische Vision verbindest Du damit?

Ich liebe begehbare Arbeiten, ich möchte wegkommen vom „Vorspielen“. Ich bin überzeugt, dass wir derzeit einen Wandel erleben weg vom durchstrukturierten linearen Erzählen zu einem Anbieten eines Erzählraums, den der Zuschauer staunend exploriert und mit seiner Präsenz auch verändert. Es ist verdammt schwer, so etwas so zum Gelingen zu bringen, dass man die gleiche Rührung erfährt wie in einer gekonnten linearen Erzählung. Aber ich möchte gerne mit daran arbeiten, herauszufinden, wie es geht.

Welche Schritte waren nötig, um „Maya“ auf den Weg zu bringen?

Zunächst mal habe ich mit den Eigentümern der Ruine gesprochen und mir deren Genehmigung eingeholt. Dann habe ich mich bei der Lokalbaukommission versichert, dass das, was wir vorhaben, die Sicherheitsvorgaben an eine Veranstaltung erfüllt.
Mein erster Antrag in der städtischen Projektförderung Darstellende Kunst der Stadt München hatte keinen Erfolg, was es mir ermöglichte, mein Konzept noch einmal gründlich zu überdenken und in eine Form zu bringen, die dann im zweiten Anlauf erfolgreich war. Seit der Förderzusage bin ich fast vollständig mit der MAYA beschäftigt, bin ich doch Veranstalter, Komponist und Regisseur zugleich.

Was erwartet die Besucher*innen von „Maya“?

Was wir anbieten, ist ein reicher Kosmos an Eindrücken, in den man eintauchen kann. Ich achte darauf, dass man nicht sklavisch jedes Detail beachten, verstehen und „abarbeiten“ muss, damit man den Abend verstehen und genießen kann. Aber je mehr man sich darauf einlässt, desto reicher wird man belohnt werden. Dieses Einlassen kann  auf verschiedenen Ebenen stattfinden. Vom Herumlungern mit der Bierflasche in der Ecke bis zum Abtanzen mittendrin, vom Nachdenken über die philosophischen Diskurse bis zum Hören kontrapunktischer Finessen, vom Genießen des musikalischen Ausdrucks bis zum Staunen über Laser, Licht und virtuelle Welten ist alles möglich.

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